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Dann besuchen Sie Borgward!

Die architektonischen Reste der Borgward-Gruppe

 

Aus den Bremer Straßen sind die Autos des Carl F.W. Borgward schon vor Jahrzehnten verschwunden. Nach und nach verschwinden nun als letzter Akt des Trauerspiels auch die architektonischen Relikte der Borgward-Werke aus dem Stadtbild Bremens. Doch erst wenn in Bremen das letzte Fabrikationsgebäude des einstmals grössten Arbeitgebers der Stadt gefallen ist, wird man sich auf den historischen Wert der Borgward-Hinterlassenschaften besinnen. Nachdem schon ein Großteil der Lloyd Motoren Werke in den achtziger Jahren einem Supermarkt weichen musste, fiel 1994 das ehemalige Lloyd-Ersatzteilwerk der Abrißbirne zum Opfer.

Borgward-Standorte in Bremen.

 

Noch 1998 entledigte man sich eines guten Teils der architektonisch durchaus erhaltenswerten Goliath Werke per Abrißbirne. In einem 1999 veröffentlichten Brief des Bremer Landesamtes für Denkmalpflege hieß es dazu, man teile die Auffassung, dass es sich insbesondere bei der Motorenhalle und der viertelkreisartig geschwungenen Rundhalle - beide in den 30 Jahren von dem bedeutenden Architekten Rudolf Lodders entworfen - um Baudenkmale in Industriegeschichtlicher Hinsicht handele. Bremen hat jetzt als Gegenleistung ein neues Einkaufszentrum auf dem Gelände. . .

Was bleibt? Einige wenige Fabrikationsgebäude in Bremen Hastedt, Neustadt und Sebaldsbrück. Und die Erinnerung an einen Konzern, der leichtfertig im Interesse einer erbarmungslosen Konkurrenz geopfert wurde. In Bremen Sebaldsbrück werden heute Fahrzeuge des DaimlerChrysler Konzerns gefertigt.

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Das Stammwerk in Bremen-Sebaldsbrück

Eingeweiht im Jahre 1938 wurden im Stammwerk Bremen-Sebaldsbrück alle Borgward-Personenwagen gefertigt.

Bis 1960 entstanden auf dem weitläufigen und 1938 durch Borgward bezogenen Areal immer neue Erweiterungsbauten, meist entworfen vom Hamburger Architekt Rudolf Lodders.

Nach dem Zusammenbruch der Borgward-Gruppe übernahm Hanomag Teile der Werke, die bis heute durch Mercedes-Benz genutzt und zwischenzeitlich entsprechend umgestaltet wurden.

Erhalten ist bis zum heutigen Tage das ehemalige Borgward-Verwaltungsgebäude.


Einst und jetzt: Pförtnerhaus in Bremen-Sebaldsbrück 1956 und 1990.

Borgward Isabella soweit das Auge reicht vor Halle 5 im Jahre 1960. Hier waren die Entwicklungswerkstätten und die Prüfstände untergebracht!

 

Das Verwaltungsgebäude der Carl F.W. Borgward Automobilwerke in Bremen-Sebaldbrück.
Das Verwaltungsgebäude der Borgward-Werke im Jahre 1950. Unten ein Blick auf die Hansa-Fertigung unterhalb des 240 Meter langen Besucherlaufstegs in Halle 1, 1938.

 

 


Am anläßlich der Festivitäten zum hundertsten Geburtstag Carl F.W.Borgwards aufgestellten Denkmal fällt der Blick auf die einstige Borgward-Hauptverwaltung.

 

 

Das Goliath-Werk in Hastedt

Das Goliath-Werksgelände befand sich noch bis 1998 in seinem originalen Nachkriegszustand.
Von den Standorten der Borgward-Gruppe war das am Hastedter Osterdeich gelegene Werk das traditionsreichste: Bevor Borgward die Gebäude 1928 übernahm, waren hier schon seit 1908 von der NAMAG (Norddeutsche Automobil- und Motoren-Actien-Gesellschaft Kraftfahrzeuge produziert worden. Nach einer Fusion mit den Hansa-Werken aus Varel unter dem Markennamen Hansa-Lloyd.

Nach dem zweiten Weltkrieg war neben dem Goliath-Werk zunächst auch die Lloyd Maschinenfabrik hier untergebracht, zwischenzeitlich residierte auch Carl Borgward in Dachbungalow des heutigen Goliath-Hauses.

Oben links das heute noch erhaltene und immerhin vor einigen Jahren mustergültig sanierte "Goliath-Haus". Es beherbergte das Ersatzteilwerk. Oben rechts das Gebäude kurz nach dem Wiederaufbau.

Unten links das architektonische Markenzeichen des Goliath-Werkes: der "Rundbau" im Jahre 1951. Rechts ein Blick vorbei an den mittlerweile abgerissenen Hallen 14, 15, 18. Im Hintergrund noch schwach erkennbar der "Rundbau" der ehemaligen Goliath-Montage.


Der Goliath-Rundbau musste 1998 der Abrissbirne weichen!

 

 

Die Borgward-Verkaufsgesellschaft in Hastedt

In der Hastedter Föhrenstraße und somit in umittelbarer Nähe zum Goliath-Werk befand sich bis 1961 die Borgward-Verkaufsgesellschaft. Die Architektur des Empfangsgebäudes war unverkennbar an die Borgward-Hauptverwaltung angelehnt. Nach dem Konkurs ging es an einen Ford-Händler, der dort noch heute residiert.

Schön, dass das Gebäude - sieht man von dem Borgward-Schriftzug einmal ab - bis heute in seinem Originalzustand überlebt hat!

Im Bild rechts oben der frühere Borgward-Verkauf, rechts unten der heutige Zustand.

 

Die Lloyd Motoren Werke in der Bremer Neustadt

Mit dem wachsenden Erfolg von Lloyd wurde die zunächst provisorisch auf dem Goliath-Werksgelände laufende Produktion im Januar 1951 auf das im Westen von Bremen gelegene Werk der ehemaligen Franke-Werke verlegt. Bis 1960 entstanden hier nach und nach immer neue Werkshallen. Nach 1961 übernahm Siemens Gebäude und Grundstücke. Ein Teil konnte bis 1963 zur Arabella-Produktion weitergenutzt werden.
Im 1959 entstandenen Ersatzteilwerk residierten die aus dem Konkurs hervorgegangenen Lloyd Motoren Werke noch bis 1989. Zunächst als Ersatzteillieferant für alle Fahrzeuge der Borgward-Gruppe, später dann als Hersteller für Spezialmotoren und zuletzt als Handelsbetrieb für KFZ-Teile. Heute stehen nur noch die weiterhin von Siemens genutzten Hallen im östlichen Teil des Werkes.

1963 verließ die letzte Arabella das Bremer Lloyd-Werk.

Die Bilder zeigen Blicke auf das Lloyd Werksgelände in den Jahren 1953, 1960, 1990 und 2003.

Das ehemalige Lloyd-Verwaltungsgebäude wird heute von Siemens genutzt.

 

 

 

Das Borgward-Leichtmetallwerk in Uphusen

Südöstlich von Uphusen am Rande der Landstrasse in Richtung Hannover liegt das ehemalige Borgward-Leichtmetallwerk, dass die Zeit fast unverändert überstanden hat.

 

 

 

 

 

Ein überaus lesenswerter Reiseführer zu den baulichen Relikten der Borgward-Gruppe in Hastedt von Peter Kurze ist 2012 erschienen und hier erhältlich.

06.03.02